Comics

Wie alles begann

Ich und das Medium „Comic“ sind biografisch eng miteinander verknüpft. Meine ersten Gehversuche beim Lesen machte ich mit Lustigen Taschenbüchern und Micky Maus-Heften, aber ich zeigte bereits von Anfang an Begeisterung für ein Genre, dem ich bis heute treu geblieben bin: Horror. GESPENSTER GESCHICHTEN waren hauptsächlicher Bestandteil meines Lesevorrats unter dem Bett. Daran hat sich übrigens bis heute nichts geändert. Meine Liebe für GESPENSTER GESCHICHTEN geht sogar so weit, dass ich dem Bastei Verlag angeboten habe, ihm die Lizenzrechte abzukaufen, als die Serie von diesem eingestellt wurde. Leider wurde mir mitgeteilt, dass die juristische Situation derart schwierig sei, dass keine weitere Verwertung stattfinden wird. Ich versuche immer noch, die Serie mit ca. 2000 Heften voll zu bekommen, wer noch welche rumfliegen hat, bitte umgehend melden! Zahle bar und sofort.

In der Grundschule erfand ich meinen ersten Comichelden namens „Zippy“. Während der Pubertät vernachlässigte ich meine Leidenschaft für Comics jedoch, weil mein Interesse am anderen Geschlecht erstarkte und mir wichtiger erschien. Erst mit 19 entdeckte ich Comics dank eines kauzigen Mannes aus der Dachgeschosswohnung des Mietshauses, in dem ich damals wohnte, für mich wieder. Meine zeichnerische Begabung lässt jedoch nach wie vor zu wünschen übrig, deshalb bin ich heute als Comicautor, nicht als Comiczeichner tätig. Das geht, ohne zeichnen zu können? Ja. Das ist sogar die Regel, nicht die Ausnahme.

Was macht eigentlich ein Comicautor?

Zeichnen und Schreiben sind jeweils Künste für sich, deren Meisterung etliche Jahre dauert. Entsprechend ist auch im Comicbetrieb mittlerweile Arbeitsteilung absolut üblich. Zwar gibt es noch viele Autoren und Zeichner in Personalunion, die meisten Größen konzentrieren sich jedoch ab einem bestimmten Punkt in ihrer Karriere auf das eine oder andere, um das eigene Schaffen auf diesem Gebiet zu vervollkommnen. Alan Moore oder auch Neil Gaiman sind Beispiele für Zeichner/Autoren, die sich später vollständig auf das Schreiben verlegt haben.

Ein Comicautor macht fast das selbe wie ein Buchautor. Er denkt sich Geschichten und Charaktere aus und versucht diese so zu gestalten, dass der Leser gut unterhalten ist. Natürlich funktioniert das Medium Comic anders als ein Buch. Man ist deutlich mehr von der Handlung getrieben und hat in der Regel keinen Platz für ausführliche Erläuterungen oder innere Monologe – viele Dinge müssen über Bilder statt über Text transportiert werden. Eine gute Einführung in die Eigenheiten des Mediums bietet Scott McClouds „Unterstanding Comics“.

Comics, und insbesondere Comicscripts, weisen eine hohe Verwandtschaft zu Film und Theater auf. Ein Comicscript liest sich beinahe genauso wie ein Drehbuch oder ein Storyboard in der Werbung. Entsprechend kann man viele der Ratgeber für Drehbuchautoren auch 1:1 auf Comics anwenden.

Der Comicautor füllt also mitnichten nur die Sprechblasen aus. Im Extremfall gibt er dem Zeichner Bild für Bild auf der Seite vor, was in diesem oder jenem Panel (Fenster) passieren soll. Manchmal macht er sogar die Vorskizzen. Das ist die sogenannte „Full Script“-Methode. Auf der anderen Seite der Skala liegt die sogenannte Marvel-Methode. Bei dieser skizziert der Autor die Storyline für die nächsten 24-30 Seiten auf 1-3 Seiten Text und überlässt dem Zeichner vollständig die Umsetzung. Eventuell schreibt er noch die Dialoge, oftmals aber auch nicht, weil die Platzplanung für Sprechblasen vom Zeichner vorgenommen wird, der sich entsprechend auch etwas dabei gedacht haben wird.

Ich selbst mache es immer stark davon abhängig, mit welchem Zeichner ich arbeite und auch davon, wieviel Vertrauen ich nicht nur in seine zeichnerischen Fähigkeiten habe, sondern auch in die visuelle Inszenierung von Handlungen. Mit Till Felix, mit dem ich am meisten zusammenarbeite, habe ich eine klare Abmachung: Wenn es um Handlung und Text geht, habe immer ich das letzte Wort, wenn es um die visuelle Umsetzung geht, er. Wir diskutieren zwar über alle Fragestellungen und inspirieren uns gegenseitig, wer die letzte Entscheidung fällt, ist aber immer klar.

Wie ich Comicautor wurde

Während meines Studiums musste ich ein Pflichtpraktikum absolvieren. Auf meiner Bucket List fürs Leben war irgendwo noch „An der Produktion von Comics beteiligt sein“ festgehalten. Im Comicforum hatte ein junger Verlag namens „Alligator Farm“ auf sich aufmerksam gemacht, nicht zuletzt aufgrund eines skandalösen Axtauftritts des Chefs auf dem Comicsalon Erlangen. Mit skandalösen Auftritten hatte Karl – einst Bundeskanzlerkandidat der APPD und Stifter der deutschen Chaostage – Erfahrungen. Jedenfalls suchte der Verlag/Studio für Comics und Illustration damals Künstler. In diese Kategorie fiel ich ja eher nicht. Da eine meiner wertvollsten Lebenserfahrungen darin besteht, dass Dreistigkeit siegt, schrieb ich Karl dennoch an und fragte ihn, ob er einen Praktikanten für Verlag und Organisation gebrauchen könnte. Nach einigem Zögern stimmte er schließlich zu.

Eines Tages ergab es sich, dass Karl eines seiner Mittagsschläfchen, nach denen man die Uhr stellen konnte, halten wollte. Währenddessen beauftragte er mich mit dem Texten der Sprechblasen für die kommende Ausgabe von PERRY – UNSER MANN IM ALL. Er war sehr zufrieden mit meiner Arbeit, und so übernahm ich meine erste Short Story als Autor. Nachdem ich an meinen damaligen Wohnort in der Schweiz zurück gekehrt war, rief mich Karl eines Tages an und verkündete mir: „Ich ziehe den Stecker aus der Farm. Wollt ihr den Verlag übernahmen?“ Das taten wir dann auch, und gemeinsam mit Kai Hirdt schrieb ich von da an die Haupstoryline und war als Redakteur tätig. Der Verlag wurde vollständig virtualisiert, und so hatten wir die Möglichkeit, gemeinsam mit Künstlern und Autoren aus ganz Deutschland zu arbeiten. Um die Alligator Farm ist es inzwischen ruhig, aber nicht still geworden.

In meiner Zeit dort lernte ich eine Menge Zeichner und Künstler kennen, die entweder später zu größeren Verlagen wechselten, oder in die Videospielindustrie. Meiner einer betrat das damalige Neuland der Medienwissenschaften – die Comicforschung. Und so verfasste ich meine Doktorarbeit über das Superheldengenre im Modern Age.

Weitere Arbeiten/Nihilus‘ Kinder

Mit Till Felix reichte ich einige Wettbewerbsbeiträge bei diversen Festivals ein. Schließlich fragte er mich eines Tages, ob ich ihm ein Comicscript für den 24-Stunden-Comictag liefern könnte. Das tat ich, und darin wurden die Samen für NIHILUS‘ KINDER gepflanzt.

NIHILUS‘ KINDER ist eine okkultistische Comicserie rund um die Antithese zur Schöpfung des Demiurgen. Im frühen Christentum und anderen Strömungen des Gnostizismus geht man davon aus, dass es einen perfekten Schöpfergott, den Kosmokrator, gibt. Die Welt der Erscheinungen ist hingegen ein Werk eines niederen Schöpfergottes, des Demiurgen. Nihilus Heimat ist das akausale, ursprüngliche Nichts vor der Schöpfung. Über seine Kinder, Trickstergötter unterschiedlicher Religionen und Mythologien, versucht er seit Anbeginn der Zeit, die Schöpfung auszulöschen. Er ist somit das einzige existente Wesen, das nicht vom Demiurgen geschaffen wurde.

Ein Verzeichnis und Amazon-Links zu meinen Werken findet man unter „Publikationen“.